Yleia Ancoron

Elfe, Hexe

Description:

Yleia Ancoron
Elfe, Hexe

Charakter
Name: Yleia Ancoron
Rasse: Elfe
Gesinnung: Chaotisch Gut
Klasse: Hexe

Bewegungsrate
Land: 12,5 Meter / 7 Kästchen (durch alternatives Volksmerkmal: Long -limbed statt Waffenvertrautheit)

Attribute
Stärke: 10 (0)
Geschicklichkeit: 15 (2)
Konstitution: 14 (2)
Intelligenz: 19 (4)
Weisheit: 12 (1)
Charisma: 12 (1)

Initiative
8

Rettungswürfe
Zähigkeit: 3
Reflex: 3
Wille: 5

Sinne
Wahrnehmung: 14
Dämmersicht
Elfische Immunität
Elfenmagie

Defensive
Armor Class: 13
Touch: 12
Flat-footed: 11
CMD: 14
Items: Haramaki (AC-Bonus 1)

HP
29

Offensive
BAB: 2
Melee: 2
Ranged: 4
CMB: 2
Attacks: Dolch

Feats
Accused Hex
Wundersame Gegenstände herstellen
Extra Hex
Verbesserte Iniatiative

Skills
Wissen (Arkanes): 13
Wissen (Höhlen): 5
Wissen (Entwicklung): 5
Wissen (Geographie): 5
Wissen (Geschichte): 8
Wissen (Lokales): 5
Wissen (Natur): 8
Wissen (Adel): 5
Wissen (Ebenen): 8
Wissen (Religion): 5
Wahrnehmung: 10
Beruf (Goldschmiedin/ Schmuck anfertigen): 5
Heimlichkeit: 8
Motiv erkennen: 3
Zauberkunde: 10
magische Gegenstände nutzen: 7

Schutzherrenzauber: Elemente
Schockgriff
Flammenkugel

Wesenszüge
Krieger der alten Schule
Honey Words
Arcane student

Hexereien
Schlummer
Hexenblick
Sooth Sayer
Unglück

Zauberbuch
Grad 0 Zauber:
Ausbluten
Benommenheit
Botschaft
Erschöpfende Berührung
Funken
Gift entdecken
Göttliche Führung
Licht
Magie entdecken
Magie lesen
Nahrung und Wasser verderben
Reparieren
Stabilisieren
Tanzende Lichter

Grad 1 Zauber:
Befehl
Furcht auslösen
Leichte Wunden verursachen
Kränkelnder Strahl
Modderkugel
Ohrenbetäubender Schrei
Schwächestrahl
Unvorbereiteter Gegner
Person vergrößern

Grad 2 Zauber:
Person festhalten
Blind oder Taubheit verursachen
Geisterhand
Schläue des Fuchses

Grad 3 Zauber:
Blendende Zwielichtgeschosse
Fluch

Sprachen
Common, Elfisch, Orkisch, Sylvanisch, Celestisch, Drakonisch

Likes: Lucien, Eulen
Dislikes:
Quirks:
Phobien:

Stand
31.05.2017: Level 5

Bio:

Mein Name ist Yleia, ich bin eine Elfe und stamme aus einem alten Adelsgeschlecht ab. Hier möchte ich nun meine Geschichte niederschreiben und beginne bei meinen Eltern.

Meine Mutter, Oria Iswen, wurde in der nordöstlich liegenden Stadt namens Tanescha auf dem Kontinent Est geboren. Sie war eine Elfenfrau und das einzige Kind aus dem Hause Iswens.
Oria_Iswen.jpg

Von Kind an lehrte man sie, sich wie eine Adelige zu kleiden und zu verhalten. Das niedere Volk wurde als nicht würdig betrachtet eine Adelige anzusprechen. Sie hatte nur Freunde aus höheren Häusern, lernte viel und spielte nicht. Sie passte sich den Lehren ihrer Familie an. Strebte nach Reichtum und Ansehen. Sie machte ihre Eltern stolz, da sie stets Gehorsam und lernwillig war.
Bereits mit Fünfzig Jahren wurde sie an einen Adeligen aus dem Haus Ancoron versprochen. Meinem Vater.
Die Verbindung, die zwischen meiner Mutter und Igor Ancoron geschaffen wurde, sollte die beiden Häuser auf ewig miteinander vereinen.
Macht und Ansehen waren das Interesse dieser Verbindung. Die Familie Iswen war nicht besonders hoch angesehen, aber der Einfluss von Orias Mutter, meiner Großmutter, darum umso höher. Diesen Einfluss wollte sich die Familie Ancoron zu Nutzen machen.
In beiderseitigem Einvernehmen wurde daher diese Verbindung zwischen meinem Vater und meiner Mutter geschaffen und aus der Familie der unbedeutenden Iswen sollte eine viel mächtigere und reichere Familie werden. Die Hochzeit meiner Mutter und meines Vaters wurde auf deren 110. Geburtstag gelegt. Das Alter, in dem beide als Erwachsene gelten würden.
Igor_Ancoron.jpg

Igor Ancoron war der zweitgeborene Sohn der Ancorons. Er hatte das herrische Gemüt seiner Familie und den Wunsch nach mehr Macht und Reichtum geerbt.
Die Verbindung, die meine Mutter und mein Vater hatten, beruhte nicht auf Liebe oder Zuneigung. Sie wurde aus Herrschsucht und Ehrgeiz geschaffen.
Als dann beide das Erwachsenenalter erreichten, wurde eine prächtige Hochzeit abgehalten. Während der Zeremonie hielten Oria und Igor sich an den Händen. Zwischen ihren Händen wurde ein goldenes Band aus Licht gesponnen, welches die Verbindung besiegelte. Das Wappen der Ancoron wurde meiner Mutter feierlich überreicht. Auf dem Wappen prangte eine blühende rote Rose vor einem gold-gelben Hintergrund. Eingefasst war das Wappen in einen schwarzen hölzernen Rahmen.
Das überreichen des Wappens war für die Familie meiner Mutter die allerhöchste Ehre, da das Haus Iswen selbst keines besaß. Sie waren somit noch höher gestellt, als zuvor.

Das verheiratete Paar bekam ein eigenes großes Haus in Tanescha zugeteilt, in dem ich dann ein paar Jahrzehnte später geboren wurde.
Ich bin eines von drei Kindern. Genau zwischen meinen beiden Geschwistern geboren. Meine beiden Brüder Elaf und Nahir waren die Vorzeigeobjekte meiner Eltern. Sie waren vorbildlich und setzten sich für die Interessen des Hauses Ancorons ein.
Meine Eltern gaben mir schon in meiner Kindheit zu verstehen, dass sie sich lieber noch einen Sohn anstelle einer Tochter gewünscht hätten.

Als kleines Mädchen wurde ich von einer Amme groß gezogen und durfte nur im Garten oder im Anwesens spielen. Ich hatte keine Freunde oder andere Bezugspersonen.
Mit fünfundzwanzig Jahren rettete ich eine kleine Eule, die wohl aus ihrem Nest gefallen sein musste. Ich stützte ihren gebrochenen Flügel und pflegte sie wieder gesund. Da ich aber wusste, dass ich kein Haustier halten durfte, wollte ich die Eule wieder fliegen lassen, nachdem ihr Flügel geheilt war. Doch sie wollte einfach nicht fort fliegen. Ich versteckte sie in einer kleinen geheimen Kammer, die ich während meinen Erkundungen durch das Anwesen gefunden hatte. Ich gab ihr den Namen Fey und besuchte sie jeden Tag und brachte ihr frisches Fleisch, welches ich meist aus den Vorräten der Küche stibitzt hatte. Sie genoss es, wenn ich sie an ihrem weichen Gefieder am Hals oder an den Flügeln streichelte. An manchen Tagen gab sie dann leise piepsende Geräusche von sich.

Als ich etwas älter war, wurde ich von einem Hauslehrer unterrichtet. Es gehörte sich für uns Kinder eines Adelshauses nicht, eine normal Schule zu besuchen.
Mein Hauslehrer war ein kleiner Gnom mit schlohweißem Haar und einer runden Brille auf der Nase. Sein Name war Albus.
Hauslehrer_Albus.jpg

Er lehrte mich verschiedene Sprachen, um später einmal mit anderen Adelshäusern und Rassen in Verbindung zu treten und möglichen Handel oder Geschäfte abzuschließen, um Reichtum und Ansehen zu vermehren. Ich lernte über die Jahre fünf verschiedene Sprachen fließend zu sprechen und zu lesen. Albus trug mir auf, Bücher in den verschiedensten Sprachen zu lesen und zu verstehen.
Er lehrte mich Kulturen unterschiedlichster Rassen auf dieser Welt. Manchen von diesen Rassen war ich noch nie in meinem Leben begegnet. Über Tieflinge und Goblins hörte ich so manche Geistergeschichte, bis ich selbst einem Tiefling begegnet bin. Aber dazu später mehr.
Albus zeigte mir alte, fast verblichene Karten von Est und Tanescha. Dabei hatte ich bis zu meinem Sechzigsten Lebensjahr nicht einmal unser Grundstück verlassen dürfen. Albus meinte immer, dass es nur zu meinem besten sei und ich noch nicht stark genug für die Welt außerhalb der Mauern unseres Anwesens bin. Wenn er diesen Satz wiederholte, und er wiederholte ihn sehr häufig, setzte er immer seine gespielte grimmige Miene auf. Er war viel mehr ein Vater für mich, als mein eigener.
Albus lehrte mich außerdem die Gepflogenheiten und Sitten der Herrschaften. Wie ich mich zu verhalten habe und was gewünscht war und welches Verhalten nicht gebilligt wurde. Jeden Freitag Abend musste ich meinen Eltern vortragen, was ich die Woche über gelernt hatte.
Wenn ich nicht gehorchte, wurde ich mit dem Spazierstock meines Vaters geschlagen. Es zu tolerieren zeigte ihm, dass ich Gehorsam war.

Albus war nicht mein einziger Lehrer. Während den Lehren unseres Hauslehrers wurden wir von einem ausgewählten Fechtmeister im Umgang mit einem Rapier und einem Elfenschwert unterrichtete. Mein Vater sagte dazu immer, dass wir zwar Adelig seien, aber stets wüssten, wie wir uns verteidigen könnten, wenn bloße Worte nicht mehr ausreichten.
Ich hasste diesen Unterricht aus zwei Gründen. Ich mochte den Tiefling nicht, der uns unterrichtete und ich hasste es, dass mein Vater die Genugtuung besaß, mich bei meinem Training zu beobachten. Das Training fand stets mit meinem Brüdern zusammen statt. Elaf und Nahir waren viel stämmiger und muskulöser als ich. Sie bewegten sich mit einer bewundernswerten Gewandtheit, dass sie Zwillinge im Schwertkampf hätten sein können. Ihre Duelle waren präzise und ausgeglichen und konnten Stunden betragen. Ich konnte meinem Vater ansehen, wie sehr er es genoss, seinen Söhnen dabei zuzusehen, wie sie ihre Schwerter gegeneinander richteten.
Der trockene staubige Platz in der Mitte unseres Anwesens kam mir viel kleiner vor, wenn ich das Schwert gegen meinen Lehrer oder einer meiner Brüder erheben sollte.
Ich war nicht besonders geübt darin, mit dem Rapier oder dem Schwert zu kämpfen und wurde schnell müde. Die Übungen, die mir mein Lehrer aufzwang, laugten mich aus. Ich war nicht stark genug Schläge zu parieren oder nicht schnell genug ihnen auszuweichen. Meine Arme und Beine zierten kleine Narben, an denen ich so manches Mal durch ein Schwert verletzt wurde.
„Holzschwerter sind etwas für Feiglinge und Tränen für Wesen aus niederen Häusern. Also was bist du?“ ,herrschte mich mein Vater an, wenn ich von einem der Schwerter verletzt wurde. Ich beißte die Zähne zusammen und ließ ihn nicht meine Tränen sehen, die einerseits von dem ziehenden Schmerz der Wunde und andererseits von seinem Kommentar und der mangelnden Liebe für mich, zeugten.
Das lange Training, die Schläge und die beißenden Worte meines Vaters machten mich äußerlich stark und kalt. Nur noch Albus ließ ich meine Wärme und meine Güte zuteil werden.
Die Übungen mit dem Rapier wurden an meinem Fünfzigsten Lebensjahr beendet. Mein Vater hatte wohl einsehen müssen, dass ich im Umgang mit Waffen ein hoffnungsloser Fall war.

Während der ganzen Jahre in denen ich von Albus und dem Tiefling unterrichtet wurde, bekam ich meiner Mutter nur an meinem Geburtstag und an geladenen Festivitäten zu Gesicht. Wenn ich mich denn gut benommen hatte, um dabei sein zu dürfen.
Nach meinem fünfzigsten Lebensjahr wurde ich neben Albus dann von meiner Mutter unterrichtet. Sie sagte, dass ich eine besondere Fähigkeit bräuchte, um eine gute Partie zu werden. Ich wusste bis dahin nicht, was sie mir damit sagen wollte.
Zweimal in der Woche zeigte sie mir ihre Werkstatt, in der sie aus verschiedensten unscheinbaren Metallen die schönsten Schmuckstücke herstellte.
Sie lehrte mich manche grobe chemische Verbindung, um die Metalle aneinander zu schmiegen, oder wie ich sie auf die richtige Temperatur erhitze um sie verbiegen zu können.
Ich erkannte, dass diese Arbeit mir gefiel und ich genoss die wenigen Augenblicke, die ich dort in der Werkstatt mit meiner Mutter teilte.
Ich stellte wunderschöne Armreife, Ketten und Ohrringe her. Eines Tages bemerkte ich ein Lächeln und einen wohlwollenden Blick in den Zügen meiner Mutter. Leider verschwand er so schnell wieder, wie er gekommen war. Aber ich behielt mir in Erinnerung, dass da ein Anflug von Stolz gewesen sein musste.

Mit sechzig Jahren teilten mir Albus und meine Mutter mit, dass es an der Zeit sei, die Welt außerhalb des Anwesens kennen zu lernen.
Ich schlug meiner Mutter vor, dass ich die Schmuckstücke, die ich hergestellte hatte, verkaufen könnte, um meinen Teil zum Reichtum des Hauses beizutragen.
Die Idee wurde sofort am nächsten Tag in die Tat umgesetzt. Das Haus Ancoron besaß einen Schmuckladen im Innenstadtring, den ich besuchen durfte, um meine Ware dort auszulegen. Bevor ich mit Albus das Anwesen verließ, bekam ich von meiner Mutter einen Umhang geschenkt. Sie ermahnte mich dazu, diesen Umhang stets zu tragen, da er das Familienwappen und damit meine Zugehörigkeit zu diesem Hause zeigte. Der Umhang war aus einem dunkelbraunen Leder gearbeitet und das stolze Wappen prangte auf der Rückseite. Er besaß eine Kapuze, die vor Regen und Nässe schützen sollte. Die Innenseite des Umhangs war schwarz und schmiegte sich angenehm kühl an mein dunkelblaues Kleid. Meine braunen Haare hatte ich unter einem silbernen Haarreif gesteckt, damit sie mir nicht ins Gesicht hingen.
Gemeinsam mit Albus verließ ich das Anwesen. Als wir durch die schwere hölzerne Eingangspforte traten atmete ich tief ein und aus.
Die Türen schlossen sich langsam hinter uns und ich sah unser Anwesen zum ersten Mal aus einem ganz anderen Licht. Es war ein altes, graues steinernes Gebäude mit hohen Wänden und kleinen Zinnen über der Eingangspforte. Die Mauer, die rings um das Anwesen errichtet worden war, war mit Ranken und Pflanzen überwuchert.
Ob ich wohl hinüber klettern könnte? ,schoß mir der Gedanke durch den Kopf.
Albus ließ keine weiteren Gedanken zu, denn er zerrte mich an meinem Umhang den gepflasterten Weg hinunter.
Die ganze Stadt war in Kreisen errichtet worden. Unser Haus stand mit ein paar anderen im innersten Kreis. Dann kamen die Handelsschichten, die in mehreren Kreisen verteilt waren und schließlich das niedere Volk, das den letzten äußersten Kreis bewohnte. Jeder Stadtteil war von einer kleinen Mauer abgetrennt worden um eine Vermischung der Schichten zu verhindern.
Als wir das Tor zu den Handelsschichten passierten, begegneten wir zwei Wachen, die am Tor patrouillierten. Sie trugen weinrote Uniformen und bezeichneten sich selbst als Stadtgarde. Albus warnte mich vor ihnen. Als ich ihn weiter deswegen ausfragen wollte, sagte Albus seinen altbekannten Spruch: „Es ist nur zu deinem Besten. Je weniger du weißt, umso besser ist es.“
Je mehr ich von der Stadt zu sehen bekam, desto weniger wollte ich zurück nach Hause. Die bunten Häuser der Handelsschichten sprachen mich an und die Wesen, die ich sah, faszinierten mich. Es war so ganz anders, als die Geschichten und die Bilder aus den Büchern, die ich von Albus bekommen hatte.
Mein Schmuck verkaufte sich sehr gut und war sehr begehrt, was selbst meine Mutter schließlich bei einem Abendessen öffentlich kundtat.
Ich lernte zwei Jungen kennen, mit denen ich mich anfreundete. Tschan und Gem waren Menschen und wurden gleichermaßen, wie ich, von ihren Eltern tyrannisiert. Deswegen verstanden wir uns auch auf Anhieb so gut.
Ich trotzte meinen Eltern, in dem ich mich nachts über die Mauer unseres Anwesen schlich und mich heimlich mit diesen beiden Jungen zu treffen. Wir zogen durch die Gassen und Läden und stahlen, was uns ins Auge fiel. Wir nahmen keine Rücksicht auf unsere Häuser oder die bestohlenen Leute. Denn selbst, wenn wir Ärger bekamen, was so manches mal passierte, wurde doch keine große Konsequenz daraus gezogen, da unsere Familien die Einflussreichsten in Tanescha waren. Selbst der Stock meines Vaters, der auf meine Arme und Hände sauste, wenn er von unseren Raubzügen erfuhr, machte mir nichts aus. Ich schluckte den Schmerz herunter.

Je älter ich wurde, umso häufiger sprachen mein Vater und meine Mutter von einer guten Partie und das ich mir die Junggesellen der Städte einmal anschauen sollte. Als ich 105 Jahre alt wurde, ließen meine Eltern einen riesigen Pavillon am See außerhalb der Stadt errichten.
Die Festivität die dort stattfand, war voller junger Burschen und Männer, die eine Gemahlin suchten. Jedes Jahr aufs Neue wurde dieses Fest abgehalten. Ungeduld sprach jedes weitere Jahr mehr aus den Blicken meiner Eltern.
Dieses Jahr hatte meine Mutter mich zu meinem 117. Geburtstag in ein goldenes Kleid gesteckt und mich auffällig geschminkt. In einem Spiegel in meinem Gemach hatte ich mich kaum wieder erkannt. Ich sah aus, wie eine Ware, die bei einem Händler feilgeboten wurde und so fühlte ich mich auch.
Meine Mutter stellte mich allen Leuten vor und erzählte mir hier und da, wer von den Anwesenden denn reich und erhaben war. Und somit natürlich auch eine gute Partie darstellen würde.
Einige Männer und Burschen sahen gut aus, erregten aber nicht mein Interesse. Tschan und Gem waren auch auf dem Fest. Ich hielt mich an sie und hatte mit dem älter werden bemerkt, dass Tschan immer mehr Interesse an mir zeigte. Ich ließ seine Aufmerksamkeit für mich zu, beachtete sie aber nicht weiter. Was Gem und ich Tschan nicht erzählt hatten war, dass ich mich Gem schon vor ein paar Wochen unter dem Einfluss von viel Met und Wein, hingegeben hatte.
Meine Eltern würden mich der Schande beschimpfen, dass ich nicht mehr rein sei, aber das war mir egal.
Während der Abend seinen Lauf nahm, wurde viel getanzt, gelacht und getrunken. Wein und Met wurden ausgeschenkt und man amüsierte sich.
Ich zog mich etwas Richtung See zurück und genoss die leichte Brise die durch mein Haar wehte. Fackeln waren auf dem Weg zum See entzündet worden und das Licht der Flammen spiegelte sich auf der klaren Oberfläche des dunklen Wassers wieder.
„Jetzt muss ich mir wohl einen anderen Platz zum ausspannen suchen“ ,sagte eine tiefe Stimme vom Ufer her.
Ich zuckte leicht zusammen und schaute mich um. Rechts von mir am Ufer stand ein hochgewachsener Elf mit dunkler Haut und sehr hellem Haar. Ich konnte sein schelmisches Grinsen sehen, als ich näher zu ihm trat.
„Wer bist du?“ ,fragte ich neugierig.
„Das gleiche könnte ich dich auch fragen. Deiner Kriegsbemalung zu urteilen, bist du die angebotene Ware.“ ,er lachte, als er das sagte.
Erbost sah ich ihm in die dunklen Auge. Ich konnte die Farbe seiner Augen in dem dunklen Zwielicht nicht erkennen.
„Das geht dich garnichts an.“ ,sagte ich, drehte mich um und ging zurück auf das Fest. Bevor ich beim Pavillon angekommen war, hielt mich dieser merkwürdige Mann am Handgelenk fest.
„Ich habe es nicht so gemeint“ ,sagte dieser Elf mit seiner sanften tiefen Stimme.
Seine Berührung ließ mich erstarren, löste etwas in mir aus, was ich nicht benennen konnte.
Er ließ meine Hand los, verbeugte sich mit einem schelmischen Grinsen.
„Mein Name ist Lucien Noctis, verehrte Dame.“
Ich lachte über seine Vorbeugung und stellte mich ebenfalls vor. Dann klärte ich ihn über den Grund der „Kriegsbemalung“ auf und er lachte, weil er es doch richtig gedeutet hatte. Das Fest war nur dazu da, um Verbindungen zu schaffen und mich den Junggesellen vorzustellen.
Als meine Mutter sah, dass ich mit Lucien auf das Fest zurück gekommen war, kam sie auf mich zu und zog mich zur Seite.
„Dieser Mann ist keine gute Partie.“ ,war alles was sie an dem Abend noch zu mir sagte.

Seit diesem Fest ging mir dieser merkwüdig aussehende Elf nicht mehr aus dem Kopf. Ich unternahm weiterhin nächtliche Ausflüge mit Gem und Tschan. Ich blockte Tschans Annäherungsversuche weiterhin ab. Lehnte sogar Gem ab, als er mich eines Nachts auf ein Strohlager ziehen wollte. Gem war schon immer attraktiver als Tschan gewesen, aber etwas anderes hatte mein Interesse geweckt. Wer anderes um genau zu sein.
Ich wollte diesen geheimnisvollen Mann wieder sehen. Aber außer seinem Namen wusste ich nichts über ihn. Albus verriet nichts über ihn und schwieg nur, wenn ich ihm von Lucien erzählte.

Eines Tages bekam ich einen Brief ohne Absender. Als ich ihn öffnete bewunderte ich die geschwungene Handschrift, in der er verfasst worden war. Er war von Lucien und er bat um ein geheimes Treffen außerhalb der Stadt. An dem Ort, an dem wir uns kennen lernten. Ich konnte den ganzen Tag kaum abwarten und lief nervös durch die Gänge meines Zuhauses.
Als die Nacht hereinbrach, kletterte ich geübt über die Mauer des Anwesens und schlich mich durch die dunklen Gassen zum See. Ich bestach die Wachen am äußeren Tor und lief zum See. Ich konnte im dunkeln niemanden erkennen.
„Yleia?“ ,fragte seine sanfte Stimme, die ich über die ganze Zeit nicht vergessen konnte.

Wir unterhielten uns lange in dieser Nacht und ich erfuhr, dass er ein Dunkelelf war und aus
Tar´Carassar kam. Aus einer Stadt viel nördlicher als Tanescha. Ich erfuhr außerdem, dass er ein Hexer war.
Jede Nacht aufs Neue trafen wir uns und ich bat ihn, mir die Lehren der arkanen Künste beizubringen. Ich lernte Zauber und deren Wirkungen kennen. Er lehrte mich die besondere Verbindung, die zwischen einer Hexe oder einem Hexer und seinem Vertrautem entstehen kann. Ich nutzte meine kleine Eule Fey dafür. Lernte, mich mit ihr zu unterhalten und meine Zauber vorzubereiten.
Ich lernte außerdem Lucien dabei immer besser kennen. Er erzählte mir von seiner Familie, dass er nur noch seinen Vater habe. Erzählte von seinem Volk und den Unterschieden zu uns Elfen. Ich freute mich jeden Tag mehr auf die Nacht und das ich diesen Mann wieder sehen kann.
Tschan und Gem fragten immer öfters, wo ich denn bliebe und ob ich nicht wieder eine Nacht mit ihnen los ziehen wollen würde.
Ich erzählte ihnen nicht, was ich Nacht um Nacht tat. Selbst Albus erzählte ich es nicht und schon gar nicht meinen Eltern.

Eines Nachts hatte Lucien keine Zeit und ich verabredete mich mit Tschan und Gem. Wir zogen wie immer um die Häuser, tranken viel und stahlen einiges. Tschan war betrunkener als sonst und wollte sich an einem Mädchen auslassen, das noch unterwegs war. Gem und ich versuchten ihn aufzuhalten, doch Tschan lachte nur hämisch und schüttelte uns ab.
„Ich nehme mir was ich begehre.“ ,rief er und fasste dem Mädchen an die Brust. Ich schrie ihn an, dass er es sein lassen soll, doch er hörte nicht. Das Mädchen weinte und schrie. Tschan schlug Gem zu Boden, als er versuchte, ihn von dem Mädchen herunter zu ziehen. In meiner Wut und der Panik wandte ich einen Zauber an. Ich beherrschte diesen Zauber noch nicht so gut und Lucien hatte mich davor gewarnt ihn anzuwenden. Doch ich tat es und traf Tschan und das Mädchen.
Wachen kamen angelaufen. Die Schreie des Mädchens mussten sie hergeführt haben. Sie schrie nicht mehr. Mit erschrockenen Augen sah ich zu, wie das Leben aus ihr weichte.
Die Wachen nahmen uns fest und führten uns ab. Tschan, Gem und ich wurden befragt und ich verriet die beiden. Ich war so erschrocken vor meiner eigenen Tat, dass ich beide in den Ruin trieb, als ich sie verriet. Mir glaubten die Wachen eher eine zusammen gesponne Geschichte, da meine Familie einflussreicher war. Ich dachte nicht an die beiden Freunde. Dachte nicht an unsere gemeinsame durchgestandene Zeit.
Was habe ich getan? Was habe ich getan? Was habe ich getan?
Ich sagte diesen Satz in meinem Kopf immer wieder vor mich hin. Das Mädchen war tot. Meinetwegen tot.
Tschan und Gem wurden am nächsten Tag zum Tode verurteilt, weil sie ein Mädchen schändeten und es schließlich töteten. So hieß ihr Urteilsspruch. Einer tat es und doch sterben beide.
Mein Vater zwang mich bei ihrer Hinrichtung mit dabei zu sein, weil er ganz genau wusste, das ich diejenige war, die sie verraten hatte. Woher auch immer er es wusste.
Was habe ich nur getan? Ich habe das Leben dreier Menschen auf dem Gewissen. Was habe ich nur getan?
Tschan und Gem wurden nebeneinander gehängt. Tschan sah mich mit seinem letzten Blick voller Hass an. Gem dagegen sah flehentlich, aber auch voller Verständnis zu mir. Er nickte mir zu, als letzten Gruß. Diese Augen werde ich niemals vergessen können.
In dieser Nacht noch floh ich wieder über die Mauer des Anwesens um Lucien zu treffen. Als ich ihn am Ufer des Sees stehen sah, fiel ich ihm um den Hals und weinte all die aufgestauten Tränen der letzten Jahrzehnte. Er hielt mich einfach nur mit seinen starken Armen fest und lauschte meinem abwechselnden Schluchzen und meinen Erzählungen. Sanft strich er mir dabei über den Rücken.
Wir liebten uns das erste Mal in dieser Nacht.

Die nächsten Wochen verstrichen und ich lernte mehr und mehr meine Kräfte zu bündeln und sie kontrolliert einzusetzen.
Die Schuld quälte mich, doch sie wurde jeden Tag weniger. Lucien half mir dabei, all das zu überstehen. Er war mein Anker, an den ich mich klammern konnte.
Ich hatte begonnen ihn zu lieben. Und er liebte mich, das spürte ich. Seine Nähe, seine Zärtlichkeit taten mir gut.
Bei einem weiteren Fest, bei der die Junggesellen um meine Hand buhlten sollten, trat ich mit Lucien an meiner Seite vor die versammelte Gesellschaft.
„Es tut mir leid, Ihnen allen verkünden zu müssen, dass ich eine Wahl getroffen habe“ ,sagte ich mit lauter Stimme. Vermied es, dabei meiner Mutter oder meinem Vater in die Augen zu sehen. Ich hielt Luciens Hand fest und er drückte sie leicht.
Er wusste, dass diese Verbindung nicht gewünscht sein würde, aber er verstand meinen Wunsch, dass ich meine eigene Wahl treffen wollte. Auch wenn es hieß, dass wir uns gemeinsam gegen meine Familie und das Haus der Ancoron stellten.
Wie erwartet tobte mein Vater nach dem die Festivität ein abruptes Ende fand. Er schrie mich an, dass ich Schande über die Familie und unser Haus gebracht hätte. Er sagte, dass ich unwürdig sei das Wappen der Familie zu tragen. Er nahm meinen Umhang und riss das bestickte Wappen von der Rückseite und warf es durch das Zimmer. Bei jedem neuen Ausbruch seiner Wut zuckte ich kurz zusammen, starrte aber weiterhin auf meine Füße. Dann erstaunte mich meinen Mutter, als sie dazu kam und meinem Vater die Hand auf den Arm legte. So viel Sanftheit steckte in dieser Geste, die ich niemals für möglich gehalten hatte.
„Igor, lass sie doch. Sie ist unsere Tochter und das Haus der Noctis ist stark und ebenfalls einflussreich“ ,sie flüsterte die Worte fast schon in das Ohr meines Vaters, aber ich verstand sie.
„Einfluss ist alles, was euch je interessiert, oder?“ ,schrie ich sie an. Meine Mutter erhob die Hand.
„Wage es nicht mein Kind. Lass es gut sein.“
Ich lief aus dem Raum. Ich versteckte mich in der kleinen Kammer, wo Fey stets auf mich wartete.
Ich kam die nächsten Tage nicht heraus, starrte nur vor mich hin. Ich hoffte, dass ich Lucien keiner Gefahr ausgeliefert hatte.
Albus brachte mir Essen und Trinken und sorgte sich um mich, so lieb wie er war.
Nach ein paar Tagen kam meine Mutter schließlich zu mir und teilte mir mit, dass meine Verbindung mit Lucien gebilligt würde, wenn ich ihn bald heiraten würde. Ich starrte sie an. Glaubte ihr nicht, doch sie sagte, dass es auch von meinem Vater abgesegnet sei. Als ich merkte dass sie mir die Wahrheit erzählte, fiel ich ihr um den Hals und warf sie um. Ich dankte ihr und sie lächelte freundlich.
„Mein Kind, lernt euch noch etwas besser kennen. Zu deinem 119. Geburtstag dann wird eure Verlobungsfeier abgehalten werden.“
„Danke, Mama“ ,sagte ich ihr mit Tränen in den Augen. Sie lachte in mein Ohr und strich mir über mein Haar. Eine so sanfte Geste, die ich selbst als Kind nicht zu spüren bekommen hatte.
Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nichts von dem Komplott, welches meine Familie gegen mich schmiedete.

Zwei weitere Jahre vergingen und ich traf mich weiterhin regelmäßig mit Lucien und er lehrte mich Dinge über Hexereien und Zauber, die er selbst kannte. Er brachte mir sein ganzes Wissen bei und wir übten die Zauber gemeinsam, wenn wir uns am See trafen.
Ich erzählte ihm im Laufe der Jahre meine ganze Geschichte und all das, was ich durchlebt hatte. Lucien war mein Seelengefährte, dass spürte ich jeden Tag aufs Neue. Mit Albus zusammen war er die einzige liebende Familie die ich hatte.
Albus war über die Jahre noch älter geworden. Ich kannte sein Alter nicht einmal. Ich hatte ihn mal nach seinem Alter gefragt, aber er sagte nur, dass eine Dame aus höherem Hause diese Information nicht benötigte. Er sagte es mit ernster Stimme, schmunzelte aber dabei.
Nun bat er meine Familie darum, dass sie ihn aus dem Dienst des Hauslehrers entlassen, damit er sich zur Ruhe setzen kann. Meine Familie gewährte es ihm und er teilte mir mit, dass er Verwandte in Tempelspitze hätte und dorthin reisen würde.
Am Tag seiner Abreise hatte er nur ein kleines Bündel an persönlichen Habseligkeiten an einen Spazierstock gebunden. Ich sagte ihm, dass er mir fehlen würde, weil er immer für mich da war. Mir mehr der Vater war, als mein eigener.
Zum Abschied gab ich ihm das abgerissene Wappen meines alten Umhangs. Ich hatte es aufgehoben, bevor ich vor zwei Jahren nach meinem Streit mit meinem Vater aus dem Zimmer gelaufen war.
„Hebst du es bitte für mich auf, wenn ich dich mal besuchen komme?“
Albus nahm das Wappen lächelnd entgegen. Ich drückte ihn fest, bevor er ging. Ich versuchte die Tränen aus dem Augenwinkel zu wischen, aber Albus hatte sie längst bemerkt. Er kannte mich viel zu gut.

Die Vorbereitungen für die Verlobungsfeier mit Lucien waren im vollen Gange. Die Feierlichkeiten sollten gegen Abend stattfinden, um es ihm und seiner Familie am angenehmsten zu gestalten.
Auf unserem Anwesen wurden mehrere große Zelte errichtet und innen mit Blumen und Girlanden geschmückt. Der ganze Garten wurde mit Fackeln gesäumt und die Flammen loderten hell auf, als sie vor dem Dämmerlicht entzündet wurden.
Diener des Hauses liefen durch den Garten und stellten Bänke und Tische in den Zelten auf. Andere wiederum kamen mit Stapeln von Bechern und Tellern an und deckten feierlich die langen Tische. Edles Besteck wurde bereit gelegt. Musiker waren hergekommen und bespielten auf der begrünten Rasenfläche ihre Instrumente. Manche von ihnen hatte ich noch nie gesehen, aber sie hörten sich sehr schön an.
„Kind, wo bleibst du denn? Geh und sieh nach deiner Ankleiderin“ ,erschreckte mich meine Mutter. Sie lächelte leicht.
„Mach dich fertig, es ist bald soweit. Und du willst doch wohl nicht, dass unsere Gäste dich so sehen?“
Ich sah an mir herab. Ich trug ein schlichtes braunes Kleid. Nicht gut genug für die festliche Gesellschaft. Aber auch nicht gut genug für Lucien. Ich beeilte mich zu meiner Ankleiderin zu gehen. Für Lucien wollte ich hübsch aussehen.
Meine Ankleiderin wartete bereits mit einem elfenbeinfarbenen Kleid auf mich. Sie hatte dazu dunkelgrünen Schmuck bereit gelegt.
Sie half mir beim anziehen und schnürte das Mieder. Dann legte sie mir einen Haarschmuck an und flocht meine Haare zu langen schönen Zöpfen. Eine weitere Kette band sie mir um den Hals. Dann nahm sie einen silbernen Armreif, der in filigraner Arbeit das Wappen der Familie Ancoron zeigte. Es war wunderschön. Voller Ehrfurcht streifte ich es über mein Handgelenk.
Meine Ankleiderin verbeugte sich. Ich schickte sie fort und sie lief eilig hinaus. Ich betrachtete mich einen Moment im Spiegel bevor ich mein Gemach verließ und in Richtung des Gartens ging. Mein Herz pochte, als meine nackten Füße die Rasenfläche berührten. Als Braut war es Brauch, dass sie während der Verlobungsfeier ohne Schuhe her kam.
Die Zelte und der ganze Garten waren voller Leute aus den verschiedensten Häusern aus Tanescha. Manche Gestalten hatte ich noch nie zuvor gesehen. Viele Drow waren dabei, die ich noch nicht kennen gelernt hatte. Als Lucien mich sah, lief er eilig auf mich zu. Schloss mich in den Arm und hob mich hoch. Er wirbelte mich einmal im Kreis herum. Ich hielt mich dabei an seinen starken Schultern fest, ehe er mich wieder auf den Boden setzte. Er küsste mich. Nach einer kleinen Unendlichkeit des Glücks löste er sich von mir und zog mich hinter sich her. Wir begrüßten die Gäste und bedankten uns für die zahlreichen Geschenke, die schon am Tag zuvor hergebracht worden waren.
Luciens Vater begrüßte uns.
Ich hatte ihn schon zuvor einmal kennen lernen dürfen, aber ich musste gestehen, dass ich mich in seiner Gegenwart nicht besonders wohl fühlte. Er machte mich nervös. Lucien sagte mir, dass er wohl schon immer etwas grimmiger gewesen sei, vor allem als seine Mutter vor mehreren Jahren bei einem Jagdausflug ums Leben gekommen war.
Der Abend schritt schnell voran. Wein und Met wurden reichlich ausgeschenkt und die dargebotene Musik lockte die Leute zum tanzen. Die Platten voller Köstlichkeiten füllten sich wieder auf, wenn sie leer gegessen waren.
Lucien führte mich zum tanzen in den Garten. Die versammelte Gesellschaft bildete einen Kreis um uns.
Lucien verbeugte sich und streckte mir dann seine Hand entgegen. Ich lächelte ihn an, dann ergriff ich sie. Er zog mich an sich und wir wiegten uns zu der Musik. Andere Paare kamen hinzu. Und die Musik benebelte uns. Mein Vater schritt auf uns zu und löste Lucien galant ab.
„Hol uns doch bitte etwas zu trinken“ ,forderte mein Vater Lucien auf und er ging widerwillig.
Mein Vater nahm meine Hand und legte seine andere an meine Taille. Die Musik spielte ein weiteres sanftes Lied und er führte mich. Wir sprachen kein einziges Wort, aber seine Nähe fühlte sich merkwürdig an.
Nach dem das Lied endete, klatschte die Gesellschaft Beifall. Mein Vater ließ meine Hand nicht los, als er mich etwas von der Gesellschaft wegführte.
„Wohin führst du..“ ,fragte ich ihn und versuchte mich von ihm zu befreien, aber sein Griff wurde nur noch fester.
„Sei still!“ ,herrschte er mich an.
Sein Griff schmerzte. Ich sah mich nach Lucien um, doch er war nicht zu entdecken.
Mein Vater zog mich weiter zur Mauer und von der Gesellschaft fort. Ich sah mich weiterhin um und entdeckte schlielich an der Mauer meine Mutter und Luciens Vater.
„Was ist hier los?“
„Halt den Mund“ ,sagte mein Vater mit seiner eisigsten Stimme. Ich versuchte mich wieder von ihm los zu reißen und schlug nach ihm. Er wehrte mich ab und schleppte mich regelrecht weiter. Luciens Vater half ihm dabei indem er meine Beine nahm.
„Lucien. Lucien. L.U.C.I.E.N“ ,schrie ich mit zittriger Stimme, bevor meine Mutter mir ins Gesicht schlug. Ich spuckte Blut. Bemerkte wie am ganzen Körper zitterte. Wir waren an der Mauer angekommen und ich wurde zu Boden geworfen. Der Aufprall schmerzte furchtbar.
„Yleia!“
„Lucien“ ,flüsterte ich, bevor ich wieder einen Schlag bekam. Diesmal traf er mich in die Seite. Der nächste Schlag traf mich in der Brust und presste mir die Luft aus den Lungen.
„Was tut ihr nur?“ ,schrie Lucien, der bereits auf uns zugelaufen kam. Ich streckte meine Hand nach ihm aus, als er uns erreichte. Er wollte zu mir kommen, doch sein Vater umklammerte ihn und hielt ihm den Mund zu, sodass Lucien nicht einmal einen Zauber aussprechen konnte. Er wehrte sich mit aller Kraft, aber ich sah ihm an, dass sein Vater stärker als er selbst war.
„Wehr dich nicht, Lucien. Nicht du bist es, der Schande über unser Haus brachte“ ,sagte mein Vater zu ihm. Dann schlug er mich erneut. Ich stöhnte auf vor Schmerz und krümmte mich. Lucien schrie gegen die Hand seines Vaters an. Aber dieser ließ nicht locker.
Flehend sah ich zu meiner Mutter. Bat sie mit den Augen um Hilfe. Etwas blitze in ihrer Hand auf. Dann kam sie auf mich zu und beugte sich zu mir.
„Es ist viel besser so, Yleia. Elaf und Nahir werden das Erbe unserer Familie weiter tragen. Eine Tochter haben wir nie gewollt.“ Sie sagte es mit solch einem Hass, dass ich nur erschrocken die Augen aufriss, als sie den Dolch in meine Brust rammte. Ich schnappte nach Luft. Ein unendlicher Schmerz breitete sich in meiner Brust aus. Tränen traten mir in die Augen. Ich spürte, wie das Blut in meine durchbohrte Lunge floss. Ich versuchte krampfhaft Luft einzuatmen, doch es gelang mir nicht. Eine eisige Kälte breitete sich in meinen Händen und Füßen aus und kroch immer weiter vorwärts. Meine Brust zog sich zusammen. Ich bekam keine Luft mehr.
„Yleia. Nein, bitte bitte nicht.“
Sein Vater musste ihn losgelassen haben. Luciens Gesicht tauchte vor meinem Gesicht auf. Ich spürte seine warmen Hand an meinem Gesicht. Seine andere hatte meine kalte Hand ergriffen. Er küsste meine kalten Finger.
Mein Blick wurde verschwommen. Dunkle Flecken wechselten sich mit hellen Lichtflecken ab.
„Bitte bleib bei mir, meine Liebe“ ,flüsterte Lucien. „Ich liebe dich so sehr“ ,waren die letzten Worte, die ich von ihm vernahm. Dann hörte mein Herz auf zu schlagen.

Yleia Ancoron

Savahra Lia2207